Britischer Humor auf Steroiden
Brazil ist das Werk von Terry Gilliam und wurde 1985 aus der Schachtel gelassen. Vorweg: mich hat es relativ viel Kraft gekostet die 136 Minuten durchzuhalten, also Unterhaltung ist anders. Wie brisant der Film ist deuten die zwei produzierten Enden an. Naja ich würde den Film dem Genre Fiction zuordnen, um genau zu sein eine Mischung aus 1930er - 40er Gebäudearchitektur und einer extrem überzeichneten Vorstellung von Technik kombiniert mit schwarzen britischen Humor. Wenn ihr die Möglichkeit habt ihn auf Englisch zu sehen dann nutzt die Gelegenheit, denn die deutsche Synchro ist (wie so oft) grausam.
Das unfehlbare System
Die Thematik ist nicht neu, bereits Orwell beschrieb 1949 in “1984” die fiktive, alles kontrollierende, totalitäre Gesellschaft. Ausgelöst durch die technische Entwicklung und deren Unfehlbarkeit wird dem System als Perfekt angesehen. Der Wahn die neuen Möglichkeiten kontrollieren zu wollen führt zur Bürokratisierung der Gesellschaft. Ausgelöst durch einen “Bug” im System wird versehentlich der falsche Mitbürger “systemkonformiert” (blöder weise dabei auch getötet). Verhindern kann das leider niemand da sowohl Beamten als auch Bürger mit der damit verbundenen Technik überfordert sind. Die Ohnmächtigkeit und Willkür drückt sich in alltäglichen Terroranschlägen aus. Irgendwie haben die Menschen die Kontrolle über ihr Leben und ihre Informationen an das System verloren. Interessante Überschneidungen zu den aktuellen Versuchen der Regierungen “das Internet” zu kontrollieren…

Mehr Schein als Sein
Was direkt bei “Brazil” auffällt ist die permanente mediale Berieselung. Die Oberklasse will nicht die Armut der Unterklasse sehen. Stattdessen beschäftigt sich die High Society mit Schönheitsoperationen und der Illusion dem ewigen Leben einen Schritt nähr zu kommen. Die Vertuschung geht von dem Müll auf der Straße bis zu dem Meilenweiten Werbeplakate am Highway. Die Reichen leben in Saus und Braus, den Armen wird einfach so ein Loch in die Decke gesägt. Komisch wie sich diese Fiktionen gleichen.

Sam Lowry
Der Beamte, der nicht Befördert werden will, ist die Zentrale Person von “Brazil”. Er hat sich mit seiner Rolle in der Maschine abgefunden, trotzdem träumt er Nachts von halbnackten Frauen und grünen Wiesen. Erst als letztes Glied der Kette wird er in den fehlerhaften Fall “Buttle” reingezogen. Beim Versuch eine falsch berechneten Betrag rückzuerstatten, leider konnte er es der nicht der Zentralbank anhängen, kommt er in den Kontakt mit der Unterschicht. Der Versuch sich seine Träume in dieser Gesellschaft zu erfüllen enden mit einem Hirnschaden. Ähnlich geht es dem Zuschauer, der Film hat Potential auch bei diesem Schäden zu hinterlassen.

Fazit
Natürlich ist “Brazil” aufgrund seines Themas ein sehenswerter Film. Obwohl ich eigentlich den Stil von Terry Gillam bei der Monty Python Filmen genial finde stört mich in “Brazil” der zähe Handlungsverlauf und der ungewöhnliche Spannungsbogen. Selbst 26 Jahre nach der Erscheinung finde ich die Art der Technikdarstellung extrem übertrieben, würde mich mal interessieren wie der Film damals so rezensiert wurde. Netter Sidekick ist übrigens Robert De Niro, der als Ninja Heizungsingenieur “Tuttle” Robin Hood spielt.