1. George Orwell - Kurzer Einblick hinter die roten Vorhänge
Da oftmals biografische Gegebenheiten in literarischen Werken zum tragen kommen, möchte ich kurz die Umstände und die Zeit in der Orwell gelebt hat beleuchten. Dabei kommt es mir nicht auf eine detaillierte Aufzählung der geschichtlichen Daten und eine Darstellung seines gesamten Lebens an, sondern eher um eine zeitliche Einordnung. Ich persönlich vertrete die Meinung, dass gerade sein Zukunftsroman “1984” die damaligen gesellschaftlichen Ereignisse wiederspiegelt und eine Gegenüberstellung von Leben und Werk sinnvoll ist. Die folgenden Informationen habe ich hauptsächlich aus einem Lektüreschlüssel, des Reclam Verlags, zu Orwells Werk übernommen. Die schlauen Gedanken stammen also nicht größtenteils von mir, sondern von Kathleen Ellenrieder :)
Sein Leben beginnt im Jahr 1903 als Eric Arthur Blair. Er besucht besuchte eine Kirchenschule und übte sich im schreiben. Aufgrund seiner Begabung wurden seinen Eltern ein Teil des Schulgeldes erlassen, er bekam ein Stipendium und besuchte schließlich bis 1921 das Eton College. 1921 wird Blair Mitglied in der britischen Kolonialpolizei, kehrt jedoch 5 Jahre später, desillusioniert, nach London zurück. Er verbringt weiterhin einige Zeit in Paris, die jedoch noch nicht mit Ruhm gepflastert ist. Erst nachdem 1933/34 seine Bücher “Down and Out in Paris and London” und “Burmese Days” erschienen, ging es auch finanziell Bergauf. 1936 heiratet er und geht mit seiner Frau nach Spanien. Mit dem Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges 1936 richteten sich seine und die Aufmerksamkeit der gesamten britischen Intelligenz auf ein anderes Feld. Es herrschte große Anteilnahme am spanischen Bürgerkrieg und zahlreiche europäische Dichter und Intellektuelle, darunter auch Orwell brachen nach Spanien auf um für die Sache der Republik und gegen die Faschisten zu kämpfen. In Barcelona wurde Orwell selbst Zeuge der Verfolgung durch die moskautreuen Kommunisten, die gegen die katalonischen Marxisten kämpften, denen Orwell sich verschrieben hatte. Diese Erlebnisse verarbeitete Orwell in seinem Werk “1984” und beschrieb eine Zukunft die nicht die der Gegenwart sein sollte. 1948 legte Orwell den Titel für sein Werk und entschied sich für eine nicht all zu ferne Zukunft im Jahre 1984 um den Lesern die Aktualität der in “1984” enthaltenen Warnung zu signalisieren. 1950 stirbt Orwell an einer verschleppten Tuberkulose.
Es gibt eine “Autobiographische Notiz” Orwells, in der man einen Einblick in sein Wesen, sein Ich erhält. Darin schreibt er, dass er sich gern in seinem kleinen Gemüsegarten aufhält, dass er englische Küche sowie Bier und bequeme Stühle mag. Was er hingegen nicht mochte waren Lärm, Autos, das Radio und Zentralheizungen.
Weiterhin interessant, jedoch für sein Werk “1984” eher uninteressant ist sein Pseudonym “George Orwell”. Es setzt sich zusammen aus dem britischen Schutzheiligen Sankt George sowie nach einem kleinen Fluss seiner Heimat.
2. “1984” ein bisschen genauer - Personen, Handlung und ein kurzer Interpretationsversuch
a) Personen
Winston Smith
- Hauptfigur
- er ist 39 Jahre alt
- Mitglied der unterprivilegierten Parteibasis und arbeitet im Propagandaministerim
- Er gibt sich äußerlich als System konform, grämt sich aber in Wahrheit über sein jämmerliches Dasein und die permanente Überwachung durch die Gedankenpolizei
- die damalige Zeit ist durch die permanente Propaganda Gefühlskalt was sich auch in Winston wiederspiegelt
- erst eine singende Frau und dann Julia lassen ihn erkennen was Menschlichkeit eigentlich bedeutet
- am Ende muss er jedoch seine anfängliche Naivität aufgeben und sich dem System beugen („In this game we´re playing we can´t win. Some kinds of failure are better than other kinds, that´s all“)
Julia
- ist 26 Jahre alt
- ist eine vorbildliche Bürgerin und verfügt über einen exzellenten Lebenslauf (Führerin bei den kleinen Spionen, Bannerträgern und in der Junior Anti-Sex Liga)
- sie fühlt sich zwar durch das Regime gegängelt, lässt ihren Unmut darüber jedoch nicht in der Öffentlichkeit erkennen
- sie steht im Gegensatz zu Winston, der die Wahrheit finden will, sie jedoch aufgrund ihres Alters hat dafür keinerlei Interesse, da sie keine Erinnerungen an die Zeit vor dem Regime hat
- sie hinterfragt nur Dinge, die ihre eigene Person betreffen
- als sie und Winston auffliegen erfolgt ihre „Umerziehung“ in ein konformes Parteimitglied eher unkompliziert
O´Brian
- etwa 48- jähriger Parteifunktionär
- gehört zum geschlossenen inneren Machtzirkel der „Inner Party“
- er hat im Gegensatz zu Julia und Winston besondere Rechte (z.B. wohnt in einer besseren Gegend und genießt besondere Speisen oder auch andere Genussmittel desweiteren kann er die Telemonitore in seinen vier Wänden nach Belieben abschalten)
- seine Aufgabe ist es Menschen herauszufiltern, die dem System gefährlich werden könnten
- O´Brian lockt Julia und Winston letztlich in die Falle
Syme
- er ist Sprachwissenschaftler und arbeitet am Lexikon der Staatssprache
- er ist die Verkörperung eines Fachidioten
- er verhält sich dem Regime jederzeit „Gedanken und Taten ideologisch konform“
- sein Verhängnis, er ist zu Intelligent, als das er langfristig von der Gedankenpolizei verschont bleiben würde
- des weiteren besitzt er keine schützende Dummheit und ist somit unvorsichtig und letztlich ein Opfer
Tom Parsons
- ist Winstons Wohnungsnachbar
- er ist geistig sehr beschränkt
- er ist ein Beispiel wie sich solch ein System auf kommende Generationen auswirken kann (er schmückt sich auf Arbeit mit den Taten seiner Kinder, die ausschließlich im Sinne der Partei agieren und ihn durch die Wand belauschen um ihn ggf. zu denunzieren)
b) Der Inhalt
Der erste Teil von Orwells Buch gliedert sich in acht Kapitel. Es wird zu erst die Hauptfigur Winston Smith eingeführt und beschrieben. Dem Leser wird folglich Zeit und Raum gegeben sich mit dem Protagonisten auseinander zu setzen und sich mit ihm zu identifizieren. Dabei begleitet man Winston bei seinen täglichen Aufgaben und auf der Arbeit. Orwell gibt dabei sehr genaue Beschreibungen der Überwachungssysteme durch die Partei. So befindet sich in jeder Wohnung ein Telemonitor, die 24/7 Propaganda ausstrahlen und simultan die Menschen überwachen. Als Leser stellt man dabei schnell fest, dass Winston kein Ideologie verblendeter Bürger ist und gewinnt erste Sympathien für ihn. Winston führt ein geheimes Tagebuch ist sich gleichzeitig auch der Tragweite dieses Vergehens bewusst, dass er irgendwann dafür erschossen werden könnte. Er vermutet, dass er von einer jungen Frau verfolgt wird und das es einen geheim Agenten (er vermutet O´Brian in dieser Rolle) im Geheimministerium gibt.
In Kapitel zwei und drei wird die Familie Parsons eingeführt und ein weitere Einblick in den, durch die Partei, allzeit bewachten Alltag gegeben. In den Kapiteln vier und fünf erhält der Leser einen Eindruck vom Arbeitsklima und den Aufgaben die Winston dort zu verrichten hat. In Kapitel sechs erfährt man etwas über Winstons Vergangenheit und seine Exfrau Kathrin. Winston flüchtet sich immer wieder in Erinnerungen oder auch sexuelle Fantasien, die durch das Regime jedoch strengst untersagt sind. Frauen sollen Abstinent und im Bett frigide sein. Durch diesen Backflash beleuchtet Orwell die Rollenverteilung und die erwünschte Rollenausübung von Mann und Frau im System. Das Verlangen aus dem Regime auszubrechen steigert sich in Winston und er hofft im Geiste bald das System überwinden zu können. In diesem Abschnitt lässt sich das auseinander klaffen von Wirklichkeit und der durch das Regime konstruierten Wirklichkeit stark erkennen, gekennzeichnet durch Orwells Rückblicke und den „corpus delicti“, einen Zeitungsartikel aus der Zeit vorher, der jedoch ausschließlich in Winstons Kopf existiert, weil er diesen aus Vorsichtsmaßnahmen zerstört hatte. In Kapitel acht deutet sich Winstons Affinität, Dinge aus vergangenen Tagen zu sammeln, an. Er versucht ein Gespräch mit einem alten Mann, der ihn jedoch nicht versteht, weil er zu senil ist. Anschließend geht er in den Trödelladen, in dem er sein Tagebuch gekauft hat und verwickelt den Besitzer in ein kurzes Gespräch über damals und heute. Dieser zeigt ihm daraufhin ein Zimmer, in dem sich alter Stich einer Kirche aus London befindet und zitiert einen alten Kinderreim. Der zweite Teil des Buches wird durch die Begegnung Winstons mit Julia eingeleitet. An seinem Arbeitsplatz kommt es durch einen von Julia zugesteckten Zettel zu einem Rendezvous der beiden. Anschließend treffen sich Winston und Julia häufiger, es kommt zum Sex. Während dieser Zeit verschwindet Syme von der Bildfläche und Julia und Winston unterhalten sich immer öfter ihre Ansichten zum Leben und über die Fehler des Regimes. An diesem Punkt der Geschichte kommt nun auch O´Brian ins Spiel, der von Winston fälschlicher Weise als Widerstandskämpfer deklariert wird. Daraufhin suchen Winston und Julia O´Brian auf um ihn einzuweihen und einen weiteren Verbündeten auf ihrer Suche nach Menschlichkeit zu finden. O´Brian nimmt die beiden daraufhin in die mysteriöse Bruderschaft auf, die nach seinen Aussagen gegen das Regime kämpft. O´Brian lässt Winston ein Buch des Freiheitskämpfers und Anführers der Bruderschaft zukommen. Winston liest Julia in ihrem geheimen Liebesnest daraus vor, letztlich schlafen beide über der Lektüre ein. Am nächsten morgen werden sie von der Gedankenpolizei festgenommen, denn der Trödelladen Händler war in Wahrheit ein Agent und hat die beiden Verraten. Der letzte Teil des Buches befasst sich mit der „Widereingliederung“ von Julia und Winston. Der Leser erlebt mit, wie Winston gefoltert wird und erkennt schließlich auch seinen Peiniger, O´Brian. Dieser gibt ihm zwei mögliche Optionen, sich zum Regime bekennen oder als Anhänger der Bruderschaft erschossen zu werden. Winston versucht ernsthaft mit der Ideologie des Regimes ins Reine zu kommen, schafft es jedoch nicht und wird auf O´Brians Befehl hin in Raum 101 geführt. Dort wartet auf die Gefangenen die schlimmste ihrer Ängste und Winston begeht unter diesen Qualen letztlich Verrat an Julia in dem er ihr die Schuld zuweist. Das Ende der Geschichte ist die nüchterne Erkenntnis, dass das Regime letztlich gesiegt hat und Winston sich nur noch eines sehnt: seine Erschießung.