
„Es gab eine Zeit, da war Energie noch ein schmutziges Wort, da war es eine schwierige Entscheidung ob man das Licht anschaltet, da fiel in Städten das Licht aus, Lebensmittel waren knapp und Autos verbrannten Benzin, Aber das ist heute Vergangenheit. Wo stehen wir heute? Wie konnte es gelingen die Welt besser zu machen und Wüsten zum blühen zu bringen? Wir sind der Weltweit größte Produzent von Fusionsenergie. Die Sonnenenergie die in Mondgestein gebunden ist, wird auf der abgelegenen Seite des Mondes nutzbar gemacht. Wir liefern heute genügend sauberes Helium³ um damit 70% des Energiebedarfs unserer Welt decken zu können. Wer hätte das geahnt, die gesamte Energie die wir benötigen, gewinnen wir aus dem All. Die Energie des Mondes ist die Energie unserer Zukunft.“
Mit diesem Werbeslogan wird der Zuschauer in die Gegenwart des Films geschubst. Die Misere in der sich die Weltbevölkerung befindet wird dadurch unmissverständlich deutlich gemacht: Ressourcenknappheit. Es kristallisiert sich schnell heraus, dass der Mond als neue Energiequelle genutzt wird, um einen Stoff „H³“ mit Sonnenenergie anzureichern und um diesen dann dosiert zur Erde zu senden. Das Szenario, dass hier geschaffen wird, wirkt insgesamt sehr glaubhaft, zumindest für mich. Es sind ganz normale Bilder die zu Beginn strategisch in die Werbung für saubere Energie durch H³ eingeflochten werden. Gesichter von verzweifelten aber auch glücklichen Menschen, die sich kaum von Bildern unseres abendlichen Nachrichtenpools unterscheiden. Auch die Grüne Wüste wirkt nicht manipuliert, sondern fügt sich in das Gesamtbild, dass von den Filmemachern erschaffen wurde, nahtlos ein. Die Idee wirkt deshalb glaubwürdig, weil sie gedanklich nicht unerreichbar ist. Menschen waren schon auf dem Mond, er ist keine Worthülle, keine ferne Galaxie, sondern existent und greifbar.
Der Hauptakteur wird von Sam Rockwell verkörpert. (Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass viele seiner Filme, in denen er mitgespielt hat irgendwas mit der Galaxie oder dem Mond zu tun haben, naja zumindest vom Titel her:
- „Box of Moon Light“ (1996)
- „Galaxy Quest“ (1999)
- „13 Moons“ (2002)
- „Per Anhalter durch die Galaxis“ (2005)
- „Moon“ (2009)
Eine Tatsache die ich einfach witzig und deshalb erwähnenswert fand :) )
Der Film schildert auf eine erstaunlich unverblümte und ruhige Weise den „ganz normalen“ Alltag von Sam Bell. Vom Aufstehen, bis zum Frühstück, Morgensport, fertig machen für die Arbeit außerhalb der Station im Harvester, das abfahren der täglichen Route, bis hin zum Feierabend wo er an einer kleinen Holzstadt schnitzt. Man wird in die alltäglichen Routinen eingeweiht. Einen ständigen Begleiter in der Station findet Sam durch Gerty. Was genau er ist möchte ich nicht definieren. Ich bezeichne ihn als eine Form künstlicher Intelligenz, auch wenn er keine eigene Persönlichkeit besitzt bzw. sich nicht weiterentwickelt und lediglich seine einprogrammierten Aufgaben erledigt. Er stellt eine Art Bezugsperson für Sam dar. Seine Spur Menschlichkeit erhält Gerty durch einen kleinen Bildschirm der eine Palette an Emotionen in Form von Smileys bereit hält. Schon zu Beginn wird klar, dass irgendwas an dieser Raumstation nicht stimmt. Auch wenn diese Zweifel behutsam gestreut werden, ist es doch unverkennbar. Sam sieht merkwürdige Bildfetzen, die wie eine Erinnerung aussehen, aber gleichzeitig auch wie eine Vision. Bei der Videoübertragung seiner Frau kommt es zu einer kurzen Bildstörung, die unweigerlich den Eindruck eines schlechten Cuts beim Zuschauer weckt. Im Verlauf des Films häufen sich solche Ereignisse. All diese Geschehnisse steigern sich im Verlauf des Films, wobei ich finde, dass die Spannungskurve relativ früh ihren Höhepunkt erreicht. Das Geheimnis um Sam offenbart sich schon ziemlich früh [0:27:30], aber durch den behutsamen Aufbau der Story ist das kein großer Schock.
Dabei hat sich mir die Frage gestellt, wieso alle Sams offensichtlich immer wieder gleiche Phasen durchlaufen. Nach dem Aufwachen sind sie aggressiv und ungeduldig, was sich aber mit der Zeit in der Station legt, bis sie am Ende, wenn ihre Halbwertszeit abgelaufen ist, ziemlich in sich ruhend wirken. Ich fand auch merkwürdig, dass es dem jungen Sam-Klon besser mental gelingt die Situation zu ordnen und zu akzeptieren als dem alten Sam-Klon. Letzterer weigert sich ziemlich vehement anzuerkennen, dass er wahrscheinlich nicht das Original ist. Dabei klammern sich aber alle Klone an die Vorstellung von Sams Frau und die kleine Tochter.

Sie werden zu einer Art Dreh und Angelpunkt, weil sie den Lebenswillen der Klone sicherstellen. Alle Sams sind nur ihretwillen im Stande die 3 Jahre, isoliert auf der Mondstation, zu überstehen. Ich hätte erwartet der Film spielt mehr auf die Thematiken der Einzigartigkeit oder der sozialen Identität an, aber beide Themen werden eher beiläufig behandelt, weil es sich eben aus dem Fluss der Geschichte ergibt. Wieso haben die Macher ihn allein in der Station gelassen, ohne einen anderen Menschen? Wieso wird ihm nur Gerty zur Seite gestellt? Gerty befriedigt freilich das Bedürfnis nach Interaktion und sorgt dafür, dass Sam sich in diesem speziellen kulturellen Raum verordnen kann. Im Grunde sorgt Gerty also für das Mindestmaß sozialer Ordnung. Er bewahrt Sam vor einem Identitätsverlust und somit vor dem Wahnsinn. Aber wieso haben sie nur Sam als Klon geschickt und nicht noch eine zweite Person? Liegt es an seiner Persönlichkeit? Leider lässt sich darüber nur schwer spekulieren, weil man nur 2 Einblicke in seine Persönlichkeit bekommt: Der unausgeglichene frühe Sam und der ruhige gelassene Sam. Hätte ein anderer Mensch frühere und stärkere Zweifel an der Mission geweckt? Oder wäre durch jemand anderes der Wunsch, zurück zu den Menschen auf der Erde- und zur Familie- zurückzukehren, größer gewesen als zuvor schon? Wäre es womöglich zu einer Identitätsdiffusion gekommen? War es für den Konzern zu kostenintensiv? Überhaupt welche Rolle spielt die Wirtschaft und wie sieht die Welt in dieser Zeitvision aus? Welches Rechtssystem ist Grundlage? Offensichtlich ist Klonen von Menschen noch immer untersagt. Am Ende des Films, als der 2. Sam Klon lebend zur Erde gekommen ist um von den Geschehnissen auf der Mondstation zu berichten und sein Recht auf Menschlichkeit einzufordern, werden durch verschiedene Nachrichtensprecher folgendes mitgeteilt: die Aktion der Firma Lunar, fallen; der angebliche Klon von Astronaut Sam Bell war vor der TAA (was ist TAA?) und der letzte Kommentator beschreibt den Klon als Spinner oder illegalen Einwanderer, so oder so er müsse eingesperrt werden. Damit enden die Stimmen und auch der Film. Diese abschließenden Worte, bevor der Abspann eingeblendet wird, rufen eher einen bitteren Nachgeschmack hervor. Es scheint die Macht des Konzerns nicht gebrochen zu sein, wenn die Presse den Klon nicht als Klon, nicht als Verbrechen und vor allem nicht als Mensch anerkennt, sondern als Spinner oder illegalen Einwanderer deklariert (überhaut interessanter Vergleich Klon=Spinner=illegaler Einwanderer). Es scheint alles weiter seinen Gang zu gehen, neue Sams werden aktiviert werden, die ihren Dienst erfüllen, oder vielleicht auch nicht? Der letzte Sam-Klon hat die Störsender, rund um die Station in der er auf dem Mond lebt vor seinem Aufbruch gen Erde, vernichtet. Nun ist es den nachfolgenden Sams möglich einen Live-Stream zur Erde aufzubauen. Wann werden die Nachfolger-Sams also erfahren, dass ihre Tochter schon lange kein Baby mehr ist, seine Frau inzwischen gestorben ist und auf der Erde das Original umher spaziert und sein Leben lebt? Welche Beweggründe hatte der echte Sam unbedingt zur Erde zurückzukehren? Wie missraten ist seine Persönlichkeit, wenn er zulässt, dass Kopien von ihm die gleiche Hölle erleben wie er, die Isolation, Angst, Wahnvorstellungen…?

Wie wird seine Tochter reagieren, wenn plötzlich 2 Sams, also 2 Väter existieren? Wird der Klon-Sam womöglich Anspruch auf seine Tochter erheben? Kann sowas gerichtlich geregelt werden? Was passiert, wenn der Klon-Sam stirbt? Denn offensichtlich tun die Klone das nach den 3 Jahren ja. Den Zerfall kann man an dem alten Sam-Klon beobachten, es ist als würde er sich innerlich langsam auflösen auch ohne die Folgen des Unfalls scheint sein Körper zu zerfallen. Die drei großen Fragen, die meiner Meinung nach, durch den Film in den Mittelpunkt gerückt werden sind erstens, die Ethik im Bereich der Medizin und der Wissenschaft und zweitens eine Warnung an uns im Jetzt mit Umsicht zu leben und die Erde nachhaltig zu schützen und drittens die Macht von Großunternehmen, dabei unterliegt die Aufzählung keiner Wertung nach Wichtigkeit. Untergeordnet sehe ich dabei die Aspekte der Identität, der Persönlichkeit und des Persönlichkeitswandels.