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Alexander Heimbuch

The Road

Marlis Heimbuch

“I told the boy when you dream about bad things happening, it means you’re still fighting and you’re still alive. It’s when you start to dream about good things that you should start to worry.”

Ein Mann läuft mit einem Jungen durch eine karge Landschaft. Das einzig Bewegte in dieser Welt aus Eintönigkeit und Dürre ist der Wind. Er zieht an den zerrissenen Kleidern der beiden Figuren und lässt sie noch kleiner wirken. Vor den Augen des Zuschauers eröffnet sich eine trostlose Welt, in der es nichts grünes, keine Sonne und kein Leben gibt. Die ersten Bilder rufen sofort ein beklemmendes Gefühl hervor und eine noch bestechendere Angst. Über die Gegebenheiten und wieso sich die Erde in ein so trostloses Loch entwickeln konnte erfährt man von der resignierten und ruhigen männlichen Stimme des Mannes. Ohne eine besondere Gefühlsregung erzählt er von einem hellen Licht, gefolgt von Rauch und Erschütterung, das die Welt in das verwandelt hat, was sie jetzt ist. Die näheren Umstände bleiben dabei ungeklärt, es ist dem Einzelnen überlassen, worin er die Ursache sieht. Der Film zeigt hauptsächlich den Mann (Vater), den Jungen(Sohn) und die Ehefrau. Alle Drei bleiben anonym. Sie bekommen keine Namen nur ein Gesicht.

Mann und Junge

Der Film selbst zeigt Bilder von drei unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben dieser drei Personen, die in ungeordneter Reihenfolge auf den Betrachter einwirken. Die erste Zeitebene stellt unsere Gegenwart dar, die zweite Zeitebene umfasst den Zeitraum als die Frau noch bei ihrem Mann und dem Jungen war bis zu dem Punkt als sie die beiden verlässt und die dritte Zeitebene ist die Gegenwart des Films. Die fortlaufende Handlung des Films spielt in der dritten Ebene. Man erfährt aber durch die Erinnerungen und Träume des Mannes immer wieder rückblickend etwas über das Familienleben und die Zustände in denen sie leben und mit denen sie umzugehen lernen mussten.

Mann und Junge

Man begleitet den Mann und den Jungen durch die Augen des Vaters hindurch, denn er ist der Erzähler, was die Eindringlichkeit der Geschichte unglaublich anspruchsvoller wirken lässt. Man nimmt unmittelbar teil an seiner Verzweiflung, an seinem Kampf, um jeden Preis den Jungen am Leben zu halten und der Angst ihn irgendwann allein lassen zu müssen. Schon am Anfang sind die Bilder schonungslos und zeigen die hauptsächliche Gefahr in dieser toten Welt. Nahrung ist ein wertvolles Gut, das einfach kaum mehr vorhanden ist. Aus diesem Grund haben sich manche Menschen zu Gemeinschaften zusammen getan und streifen in dieser Konstellation durch die Lande, um etwas Brauchbares zu finden. Der Hunger ist so groß, dass es unter den Überlebenden zu Kannibalismus kommt. Dieses extreme Verhalten wird im Laufe des Films immer wieder thematisiert und zum Indikator für gutes oder schlechtes Handeln. Man lernt die verschiedenen Gruppierungen, auf den Wegstationen des Mannes und des Jungen auf ihrem Weg zur Küste, kennen. Von einfachen Dieben, über Menschen die sich andere Menschen wie Tiere in einem Keller halten um bei Bedarf ein Stück abzuschneiden, Jäger die eine Frau und ein Kind verfolgen und sie anschließend töten und vermutlich ebenfalls essen und Menschen die wie der Mann und der Junge von einem Ort zum Anderen ziehen.

Es gibt eine Stelle ziemlich am Anfang des Films, wo der Mann dem Jungen aus einem Buch vorliest. Eine Geschichte in dem ein Vergleich zwischen einem Kranich und dem Hals eines Menschen gemacht wird. An diesem Punkt habe ich mich gefragt ob der Junge die Bedeutung des Wortes Kranich wirklich mit einem Bild verbinden kann? Er hat noch nie in seinem Leben ein solches Tier gesehen, vielleicht auf Bildern, aber einen Bezug wird er nur schwerlich herstellen können. Was bedeuten ihm diese Geschichten aus einer Zeit die er niemals kennengelernt hat? Geben sie ihm Mut? Lassen sie ihn hoffen, dass es irgendwann wieder so sein könnte?

Den gesamten Film über ist der Kampf des Mannes um den Jungen und dessen Überleben im Mittelpunkt. Es scheint der einzige Antrieb des Mannes zu sein am Leben zu bleiben, sein inneres Feuer zu bewahren. Während einer seiner Flashbacks stellt sich heraus, dass die Frau an diesen Lebensumständen, der ständigen Angst vergewaltigt und umgebracht zu werden zerbrochen ist. Man kann eine verzweifelte Diskussion zwischen Mann und Frau an einem kargen Tisch mit einer Kerze belauschen, in der sie sich und ihren Sohn mit den letzten beiden Kugeln eines alten schweren Colts erlösen will. Ihre Rechtfertigung findet sie in den Familien, die den Freitod gewählt haben und so diesem Schicksal entgangen sind. Der Mann jedoch fleht und bittet die Frau dies nicht zu tun, er würde alles Menschenmögliche unternehmen um sie alle zu beschützen. Die Frau jedoch bleibt hart und geht letztlich hinaus in den Rauch, verschwindet in der Nacht und lässt den Mann und den Jungen zurück.

Mann und Junge

Nach dem der Mann seine Frau verloren hatte, scheint sein ganzer Lebenswille auf den Jungen überzugehen, in einem schon fast erdrückenden Maße. Seine Angst geht sogar soweit, dass er Allem und Jeden misstraut, sogar einem alten blinden Mann von dem offenkundig keine Gefahr ausgeht. In diesen Momenten des Films verschiebt sich die von ihm aufgestellte Grenze zwischen Gut und Böse. Immer häufiger blitzt Widerwille gegen die Ansichten des Mannes, in dem Jungen auf und seine reine kindliche Art steht den Lebenserfahrungen des Mannes gegenüber. Plötzlich erscheinen die Ansichten des Mannes nicht mehr so gut wie er sie selbst vor sich rechtfertigen will. Freilich versucht er das Überleben Beider zu sichern und natürlich ist Sparsamkeit und Egoismus wichtig für das Überleben in dieser Welt, aber darf man über diese Umstände hinaus die Menschlichkeit vergessen? Der Junge bietet dem blinden alten Mann von ihrem Essen an und sie teilen zusammen ein Nachtlager. Dabei zeigt sich, dass nicht alle Menschen schlecht sind. Der Junge kennt zwar nur die harte Welt in die er hineingeboren wurde, aber trotzdem besitzt er ein Verständnis für Andere. Als der Vater außer sich vor Wut ist, weil ihnen am Strand aller Vorrat gestohlen wurde, zwingt er den Täter sich auszuziehen. Diese Drohung bedeutet unweigerlich den Tod für den Mann, was der Junge nicht hinnehmen kann. Es kommt zu einem Streit zwischen beiden, bei dem der Mann seinen Standpunkt damit rechtfertigt, dass der Junge zu erst an sich denken müsse, dass die gestohlenen Sachen seinen Tod bedeutet hätten und, dass er lernen muss hart zu sein, wenn er einmal nicht mehr da ist. Die nüchterne Erwiderung des Sohnes hingegen ist die schlichte Erkenntnis der Verzweiflung, dass der Mann, der hinter dem Dieb steckt, lediglich schrecklichen Hunger gehabt hat. Er denkt nicht nur an sich, sondern denkt auch über die Umstände der Anderen nach. Seine Welt besteht noch nicht nur aus: Essen, Kälte und Schuhen.

Mann und Junge

Eine der zwei wichtigsten Regeln des Mannes war das Feuer zu bewahren. Aufgrund von Krankheit und einer schweren Verletzung kann er sein Feuer nicht bewahren und muss seinen Sohn allein in der Welt zurück lassen. Es ergibt sich aber, dass eine Familie, ein Mann eine Frau, zwei Kinder sowie ein Hund, den Jungen bei sich aufnehmen. Ob diese Menschen wirklich zu den Guten gehören lässt sich wieder nur individuell entscheiden. Die Erzählerstimme ist verstummt, das Misstrauen weicht der kindlichen Naivität des Jungen, der jedoch die Regeln seines Vaters befolgt. Ich kann dem Ende etwas Gutes abgewinnen, denn ich sehe den Hund als Symbol für das Feuer und als ein Zeichen dafür, dass diese Menschen noch nicht so nahe am Hungertod sind, dass sie andere Menschen essen würden.

Abschließend kann ich keine großen Gedanken dazu äußern, außer dass ich den ganzen Film ziemlich verstörend empfunden habe und ihn kein drittes Mal schauen werde. Dabei sind es nicht die blutigen Bilder die mich abschrecken, es ist mehr die Aussicht auf solch eine Zukunft. Ich frage mich persönlich, welche Motivation es in einer solchen Welt geben kann weiter zu machen? Der alte Mann am Ende sagt, dass der Tod eine Gefälligkeit ist, wenn es aber doch als besseres Los angesehen wird, wieso streben die Menschen dennoch nach dem Leben? Instinkt? Etwas, dass uns genetisch einprogrammiert wurde? Wofür lohnt es sich zu leben? Im Fall des Vaters ist es ganz klar sein Sohn, aber für was entscheidet sich der Sohn zu leben nachdem sein Vater gestorben ist? Eigentlich gibt es doch nur die eine Gewissheit, die noch klarer als zuvor in den Vordergrund tritt: der Tod. Die einzige Wahl die man hat, ist der Zeitpunkt und die Art und Weise. Ich denke der Film reiht sich in die Thematiken von Orwells „1984“ oder Huxleys „A Brave New World“ ein. Eine düstere Zukunftsvision die uns warnen, uns die Folgen vor Augen führen und uns Beweggründe liefern soll andere Wege einzuschlagen und darüber hinaus nicht die Menschlichkeit in uns zu verlieren.

Alex Artikel zu The Road



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