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Alexander Heimbuch

Pi - Der Film

Alexander Heimbuch

Machart

Max Bevor ich mich mit der eigentlichen Thematik befasse, möchte ich noch ein paar Worte zur Machart von Pi verlieren. Die größte Auffälligkeit bei Pi ist natürlich der Einsatz einer Schwarz-Weiß Kamera. Damit hebt sich Darren Aronofsky 1998 von der Masse der Filmemacher ab. Gleichzeitig unterstützt er so auch das Setting, was ich in die 50iger Jahre verorten würde. Die Stilisierung wird weiterhin durch die Verwendung eines Grobfilters vorangetrieben, der deutlich sichtbare Bildkörner erzeugt. Weiterhin besonders ist der häufige Gebrauch einer Handkamera, die entweder die Sicht von Max oder sein Gesicht einfängt, inklusive der dabei entstehenden Bewegung. So bindet Aronofsky den Zuschauer bei Maxs´ Impressionen (insbesondere bei seiner Paranoia und den Migräne Anfällen) ein.

Filmgeschehen

Professor Max(imilian) Cohen ist ein begnadeter Mathematiker der auf der Suche nach einem Muster in der Zahl Pi ist. Er lebt in Chinatown einer größeren Stadt (Wahrscheinlich New York). Er leidet seit er als Kind zu lange in die Sonne gesehen hat an starken Migräne Anfällen die regelmäßig in Blackouts und Nasenbluten enden. Weiterhin quält ihn sein stark ausgeprägter Verfolgungswahn, der ihn bei sozialen Interaktionen stark behindert. Trotzdem trifft er bei seinen Ausflügen häufig auf andere Menschen. Dazu gehören seine Nachbarin, ein kleines Mädchen, das Unternehmen “Lance and Percy” sowie Lenny Meir (ein gläubiger Jude). Alle (bis auf die Nachbarin) treten mit einer bestimmten Forderung an ihn heran. Freiwillig nimmt Max nur Kontakt mit seinem alten Mathematik Professor auf. Max ist auf dem Weg des Archimedes oder des Pythagoras, dem Muster der Welt auf der Spur. Er will die Formel finden mit der sich die Welt strukturieren lässt. Insbesondere will er so den Aktienmarkt voraus sagen. Auch sein ehemaliger Professor versuchte dies, scheiterte aber an einem bestimmten Punkt der Suche und musste aufgrund gesundheitlicher Probleme aufhören. Beim Versuch sich wieder mit dem Decodieren des Musters der Zahl Pi auseinander zu setzen stirbt der Professor im späteren Verlauf des Filmes. Die Untersuchungen an Pi scheinen auch bei Max eine negative Entwicklung auszulösen. Trotz anfänglich großer Schritte gelangt auch er an einen Punkt an dem er einfach nicht weiter kommt. Seine Paranoia und Migräne Anfälle verschlimmern sich. Er bekommt starke Wahnvorstellungen und verfällt zusehends auf physischer Ebene. Auch sein Selbsthass nimmt stetig an Intensität zu. Als er in einem Moment der Ruhe hinter das Geheimnis der entdeckten Zahl kommt, treten alte Bekannte von ihm auf, die von der Zahl profitieren wollen. Aber auch Max´ Körper scheint nicht dafür geschaffen zu sein, das Geheimnis zu halten und erleuchtet zu werden. So endet Pi mit der Selbstzerstörung des brillanten Gehirns durch Max selbst, indem er sich mit einer Bohrmaschine ein Loch in den Kopf bohrt.

Die Ikarus Metapher

Erleuchtung Die Erleuchtung spielt eine tragende Rolle in Pi. Gleich zu Anfang wird der Zuschauer mit der Ikarus Sage, in Form einer persönlichen Geschichte, erlebt von Max in seiner Kindheit, konfrontiert und in die Thematik eingeführt:

“Als ich noch sehr klein war, sagte meine Mutter mir, dass ich nicht in die Sonne starren soll. Doch als ich sechs Jahre alt war, tat ich es. […] Aber es hatte sich auch etwas in meinem Inneren geändert. Damals bekam ich zum ersten Mal Kopfschmerzen.”

Damit drückt Max aus, dass seine übermenschlichen und mentalen Fähigkeiten ihn bemächtigen über den geistigen Horizont des normal Sterblichen hinaus zu sehen. Aber eine fremde Kraft bestraft den Sehenden für seine Anmaßung. Cohen ist übrigens ein sehr verbreiteter jüdischer biblischer Name, den besonders Männer mit priesterlicher Funktion trugen. Frei übersetzt bedeutet er “Der Erleuchtete”. Fortgeführt wird die Metapher durch den ehemaligen Professor von Max:

“Wenn du zu hoch fliegst, dann wirst du verbrennen.”

Zerstörung

Auch der Ikarus-Mythos behandelt eine ähnliche Thematik, bei Mari nachzulesen. Max versucht wieder in das Licht zu sehen und auch diesmal wird er dafür bestraft. Allerdings hält Max die Schmerzen diesmal länger aus. Kurz vor dem Exitus erkennt er die Macht des entdeckten Musters und das keiner seiner “Freunde” diese Kraft sinnvoll einsetzen würde:

“Der Zahlenwert ist gar nichts. Es geht um den Sinn, es geht um die Syntax. Was zwischen den Zahlen steht das ist wichtig.”

So zerstört er alle Beweise, inklusive seiner geistigen Fähigkeiten.

Der Computer

Maschine

Auch in Pi wird dem Computer eine besondere Rolle zugewiesen. Nur durch seine Hilfe ist es Max möglich überhaupt die Zahl herauszufinden, nämlich genau in dem Augenblick als der Computer seine Existenz begreift und sich kurz danach zerstört. Die lebendige Maschine wird im Film mit ihren Organen im Zimmer von Max dargestellt. Dabei ist das Gerät so riesig, dass sie fast einen ganzen Raum einnimmt. Zentral gelegen ist das “Gehirn” des Computers, welches beim Exitus schmilzt und sich in kreisförmigen Strukturen auflöst. Aronofsky versetzt hier Computertechnik aus der damaligen Neuzeit in die Vergangenheit und bezieht sich deutlich auf das Tech-Noir Genre.

Mathematik ist die Sprache Gottes

Zahlen

Pi beschäftigt sich im Kern mit den überzufälligen Zusammenhängen zwischen Mathematik und Natur. Um aber überhaupt hinter die geführte Logik zu steigen, sollte man sich zunächst die Deduktion von Max vor Augen führen:

  1. Mathematik ist die Sprache der Natur.
  2. Alles um uns herum lässt sich durch Zahlen wiedergeben und verstehen.
  3. Stellt man die Zahlen eines beliebigen Systems grafisch dar entstehen Muster.

In Pi wird die Bedeutung des Musters hinter der Zahl Pi mehrfach interpretiert. Zum einen sehen die Juden in dem 216 stelligen Muster den Namen Gottes. Das Unternehmen “Lance and Percy” z.B. sieht darin den Schlüssel zur Prognose des Aktienmarktes. Die Zahlenkette ist demnach der universelle Schlüssel, um die Welt zu verstehen. Um in der Welt von Pi zu bleiben also ein Decoder der Sprache Gottes.



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